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Eintracht Staufen 1903 e.V.

Sport und Kultur

Staufen: Vom Chef eines Ingenieurbüros zum Wirt

Donau Zeitung am Do. 20. April 2017 - Dillingen - Serie

Vom Chef eines Ingenieurbüros zum Schlösslewirt

Serie ° Michael Rabus führt seit einem Jahr ein Gasthaus in Staufen. Dabei hatte er früher mit der Gastronomie nichts am Hut. Warum er den Schritt gewagt hat und wie der Start war
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VON KATHARINA INDRICH
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S t a u f e n
Es  war  sein  Traumberuf, sagt Michael Rabus. Als technischer Zeichner kletterte er über die Jahre die  Karriereleiter  immer  weiter  hinauf.  War  schließlich  geschäftsführender  Gesellschafter  in  seinem  eigenen   Ingenieurbüro.   „Schon   als kleines  Kind  habe  ich  gerne  getüftelt.“ Doch dann wurde der gebürtige  Hohenmemminger  krank.  Und beschloss danach, sein Leben zu ändern.  „Ich  habe  für  mich  entschieden: Jetzt machst du ganz was anderes. Das, worauf du Bock hast.“ Seit einigen Jahren wohnte er da schon in Staufen.
Dort  hatte  der  bisherige Pächter  im  Gasthaus  Schlössle  den Betrieb  eingestellt.
Und  eines  Abends, als er mit Freunden bei einem Bier am Lagerfeuer  saß,  da hätten sie  einfach
mal so rumgesponnen.    „Soll    ich’s machen“,  habe  er im  Spaß  gefragt.  „Und  die  anderen sind alle gleich drauf angesprungen.
Das  hat  sich  einfach  hochgeschaukelt. Und mit den Leuten hab ich’s schon immer gut gekonnt.“

Zwar  habe  er  mit  der  Gastronomie  noch  nichts  am  Hut  gehabt.
Doch mit 18 Jahren hatte Rabus, geborener  Stiegler,  für  einige  Zeit  im damaligen „Tempo“ in Heidenheim bedient.   „Und   damals   habe   ich schon zur Besitzerin gesagt: Irgendwann  mache  ich  mein  eigenes  Restaurant  oder  meine  eigene  Kneipe auf.“

So entschloss sich Michael Rabus schließlich,  den  Sprung  tatsächlich zu   wagen,   und   wurde   der   neue Schlösslewirt.   Ursprünglich   sollte das  Schlössle  zukünftig  ein  Zwei-Personen-Unternehmen  sein.  Doch dann  kam  es  doch  anders,  und  Rabus trat die Herausforderung alleine
an. Das ist jetzt ein Jahr her. Viel hat der  41-Jährige  in  diesem  Jahr  gelernt.  Einiges  ist  nicht  so  gelaufen, wie er das geplant hat. Zum Beispiel die  Sache  mit  den  Öffnungszeiten.
Sieben  Tage  die  Woche  hatte  das Schlössle  im  vergangenen  Jahr  auf.
Am  Montag  blieb  die  Küche  kalt, dafür bot der Wirt seinen Gästen an,sich die Brotzeit, wie im bayerischen Biergarten  möglich,  einfach  selbst mitzubringen.  „Aber  das  hat  nicht
funktioniert.“ Schließlich hat Rabus die  Öffnungszeiten  angepasst.  Nun hat    das    Schlössle Montag und Dienstag  geschlossen.  Und  so  hat der   41-Jährige   auch   einmal   Zeit durchzuschnaufen.   Denn   im   vergangenen Jahr war er quasi im Dauereinsatz.  14  bis  18  Stunden  lang waren seine Arbeitstage, wie er sagt. „Viele sehen nur, dass man um fünf Uhr öffnet. Aber mein Tag beginnt trotzdem  früh  und  geht  bis  nach Mitternacht.“  Auf  einen  Spruch  ist
Michael     Rabus     daher     äußerst schlecht zu sprechen: Und zwar auf „Wer nichts wird,  wird   Wirt.“ Denn    eigentlich,    findet    Rabus, müsste  die  Gastronomie  ein  Studienfach  sein.  So  breit  sei  die  Palette dessen,  was  man  da  wissen  müsse. „Man muss sich in der Technik auskennen,  bei  der  Sicherheit  und  in der Hygiene, man ist Pädagoge und Disponent, Vertriebler,  Buchhalter und BWLer“, sagt er.

Trotz der vielen Arbeit und einiger Rückschläge: Bereut hat er seine Entscheidung  für  die  Gastronomie und gegen das Ingenieurbüro nicht. Der  Zuspruch  vor  Ort  sei  top,  sagt Rabus.   Auch   wenn   es   natürlich schwieriger  sei,  Gäste  in  so  einen kleinen  Ort  zu  locken,  habe  man auch   viele   Gäste   von   außerhalb.
„Die  Rezensionen  sind  wahnsinnig gut  und  unser  Einzugsgebiet  reicht mittlerweile  bis  nach  Heidenheim, Günzburg   oder   Langenau.“   Sein Konzept, das Schlössle in ein bayerisches Wirtshaus zu verwandeln, mit süffigem   Bier   und   authentischer Umgebung,  das  habe  funktioniert. „Ich stehe schon auf die Wirtshauskultur.  Weil  mein  Vater  aus  Österreich  kommt,  habe  ich  da  als  Kind schon  viel  Zeit  verbracht  und  dort ein Faible für diese Geselligkeit und die Gemütlichkeit entdeckt. Bei mir darf  es  auch  mal  laut  sein,  da  darf
man Karten spielen oder einen Fußballsieg feiern. Das gehört da dazu.“

Genauso  wie  die  Schlösslepizza, für  die  das  Lokal  seit  Jahrzehnten weithin  bekannt  ist.  Das  lasse  auf der anderen Seite mit den beengten Verhältnissen in der Küche aber wenig  Raum  für  andere  Speisen.  Und weil  die  Pizza  frisch  gemacht  wird, dauert es manchmal, wenn der Biergarten  an  einem  schönen  Sommertag  proppenvoll  ist.  Wenn  sich  das dann  in  einer  negativen  Bewertung im  Internet  niederschlägt,  sei  das besonders  ärgerlich.  „So  was  nagt schon   an   mir“,   gesteht   Rabus. Trotzdem  lässt  er  sich  die  Laune nicht  vermiesen.  Das  Ingenieurbüro, das war sein erster Traum. Sein jetziger – das ist das Schlössle.

Staufen: Vom Chef eines Ingenieurbüros zum Wirt
Michael Rabus führt seit einem Jahr das Gasthaus Schlössle in Staufen. Zuvor hat er ein Ingenieurbüro geleitet.  Foto: Indric

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