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Sport und Kultur

Die Konstante an der Orgel

Donau Zeitung am FREITAG, 2. OKTOBER 2015 - Donau- und Bachtal

Die Konstante an der Orgel - Siegfried Müller

   Die Konstante an der Orgel

  Menschen 2015   Siegfried Müller sorgt in Syrgenstein seit 50 Jahren für Musik.  Einmal machte ihm eine Maus einen Strich durch die Rechnung
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VON KATHARINA GAUGENRIEDER
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Siegfried Müller spielt seit 50 Jahren die Orgel in Syrgenstein. Viele der Stücke kann er  mittlerweile aus dem Gedächtnis spielen. 
Foto: Gaugenrieder


S y r g e n s t e i n    Ausgerechnet in der Osternacht. Nur ein einziges Mal hat Siegfried Müller in all den
Jahren, in denen er nun schon die Orgel in Syrgenstein spielt, verschlafen.
Das Osterfeuer brannte schon, als sie ihn damals aus dem Bett klingelten. Gerade rechtzeitig schaffte er es noch zum Gottesdienst. Doch das ist schon viele Jahrzehnte her. Seitdem, sagt der 74-Jährige, ist es nie wieder vorgekommen. Obwohl er sich nicht einmal einen Wecker stellt.
  Der ehemalige Bürgermeister, er ist eine Konstante in der heutigen Pfarreiengemeinschaft. Sein Engagement begann an der Orgel. Wann, das weiß Siegfried Müller, der am Sonntag sein 50. Organistenjubiläum feiert, noch ganz genau. Es war am 3. Oktober 1965. Nur wenige Wochen nachdem der gebürtige Dillinger als Lehrer in Ballhausen angefangen hatte. Schnell hatte der damalige Pfarrer Johann May ihn rekrutiert, als er erfahren hatte, dass der Lehrer in seiner Ausbildung das Orgelspiel als Nebenfach belegt hatte. Und so fuhr er anfangs, als er noch in Dillingen wohnte, fortan nicht nur von Montag bis Samstag ins Bachtal, um zu unterrichten, sondern auch am Sonntag, um für die Orgelmusik beim Gottesdienst zu sorgen. Beginn war immer um acht Uhr.
  Kurz darauf begann Müller dann auch in Staufen die Orgel zu spielen, wo er 1966 auch den Kirchenchor übernahm, den er noch immer betreut. Bis heute spielt er in Syrgenstein und in Staufen. Oft geht es von der einen Kirche direkt in die andere. Überhaupt ist Müller, der bis zu seiner Pensionierung als Lehrer tätig war, der Pfarreiengemeinschaft eng verbunden. Seit 1978 ist er Kirchenpfleger, 2006 hat er den Bibelkreis ins Leben gerufen. „Die Kirche Gottes hat mich vereinnahmt“, sagt der 74-Jährige mit einem Lächeln.
  Seine Aufgabe als Organist hatte natürlich auch Auswirkungen auf seine Freizeitgestaltung.
Ein Ausflug übers Wochenende war da einfach nicht drin. „Meinen Urlaub habe ich immer so gelegt, dass ich am Wochenende wieder da war. Das hat schon viel Verständnis von der Familie gefordert.“ Nur über Fronleichnam gönnte sich Siegfried Müller immer eine längere Auszeit. Da sorgten der Männergesangsverein und die Blasmusik für die Musik zum
Gottesdienst.
  Nach 50 Jahren kennt Siegfried Müller „seine“ beiden Orgeln ganz genau. Die, die in St. Wolfgang steht, hat er für den Neubau, der 1974 eingeweiht wurde, mit ausgesucht. Sie leidet manchmal unter der Heizung, wie Müller verrät. Die Staufener dagegen unter der Luftfeuchtigkeit. „Und die Hitze hat ihr im Sommer auch sehr zugesetzt.“ Einmal versagte die Orgel in Syrgenstein in seiner Amtszeit auch komplett ihren Dienst. „Da hat eine Maus ein Loch in den Blasebalg gefressen. Dann haben wir halt gemeinsam gesungen.“
  Was gespielt und gesungen wird, das wählt Siegfried Müller selbst aus und bespricht seine Wahl dann noch einmal mit dem Pfarrer. Wichtig ist ihm dabei, dass die Lieder zur Liturgie und zu den Themen des Sonntags passt. Manchmal gibt es sogar Musikwünsche, etwa von den Ministranten. Ein besonders Anliegen ist dem Organisten aber vor allem, dass die Gemeinde mitsingen kann. „Ich will ja kein Konzert geben.“ Wenn er Lieblingsstücke nennen müsste, dann wären das „Eine große Stadt entsteht“ und dazu „Gott, dein guter Segen“ aus dem neuen Gotteslob. Das neue Werk hat ihn am Anfang vor Schwierigkeiten gestellt. Denn nach 50 Jahren konnte er nicht nur viele Stücke aus
dem Gotteslob auswendig, sondern wusste auch ihre Nummern.
  Nach 50 Jahren als Organist ist Siegfried Müller nun langsam auf der Suche nach einem Nachfolger. „Es ist jetzt nicht so, dass ich übermorgen die Flinte ins Korn werfe. Aber ich möchte auch nicht, dass ich eines Tages von heute auf morgen sagen muss: Es geht nicht mehr.“ Doch die Suche nach einem Nachfolger, sie ist nicht einfach. „Sie finden heute fast niemanden mehr, der jedes Wochenende opfert.“ Eben so einen wie Siegfried Müller.

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